Artenschutzprojekte

Die Zoos als Arche Noah

Zoologische Gärten haben laut der Weltnaturschutzstrategie vier wichtige Aufgaben:

  1. Erholung
  2. Bildung
  3. Forschung
  4. Natur- und Artenschutz

Leider sind immer mehr Tierarten aufgrund des Menschen vom Aussterben bedroht. Lebensraumzerstörung und der Klimawandel machen der Tierwelt zu schaffen. Zoos unterstützen auf vielfältige Art und Weise: So züchten Zoos bedrohte Tierarten in den Einrichtungen nach und wildern sie wieder aus. Etwa 50 Tierarten, die in der Natur bereits ausgestorben waren, haben durch Zoos überlebt. 2016 wurden von deutschsprachigen Zoos, die im Verband der Zoologischen Gärten sind, 350 Tiere aus 28 Arten ausgewildert. 19 Zoos, die im VdZ organisiert sind, betreiben eine Auswilderungsstation.

Obwohl der Zoo Osnabrück sich so gut wie selbst finanzieren muss, was für einen Zoo sehr schwierig ist, reserviert er dennoch ein Budget für Artenschutzprojekte „in situ“, also in der Natur. Außerdem beherbergt er viele Tierarten, die auf der „Roten Liste“ der Weltnaturschutzorganisation IUCN stehen und in ihrem Bestand bedroht, teilweise sogar vom Aussterben bedroht sind. Aber auch als Besucher können Sie beim Artenschutz helfen! Hier finden Sie genauere Informationen zu den verschiedenen Bereichen.

Arterhaltung

Die Nachzucht bedrohter Tierarten ist wichtig, denn um eine gesunde und stabile Population in europäischen und weltweiten Zoos zu erhalten, muss die genetische Vielfalt gesichert sein. Der Lebensraum vieler Tierarten schwindet, wie zum Beispiel die Regenwälder. Um Tiere in ihrer Heimat wieder ansiedeln zu können, muss aber erst ein Lebensraum geschaffen werden, in dem die Tiere überleben können und nicht bejagt werden. Der Zoo Osnabrück unterstützt verschiedene Projekte, in denen bestimmte Lebensräume geschützt werden sowie solche zur Wiederansiedlung. Beispiele für diese Projekte finden Sie hier. Um Tierarten zu erhalten und wenn möglich Tiere in ihrer Heimat wieder ansiedeln zu können, betreibt der Zoo Nachzucht.

Die Nachzucht vieler Zootiere, vor allem der gefährdeten Arten, wird über ein Zuchtbuch geregelt. Beispielsweise liegt das Zuchtbuch von Giraffen bei einem Koordinator. Dieser hat die Daten aller Giraffen aus am Europäischen Erhaltungszucht Programm (EEP) beteiligten Zoos vorliegen. Er koordiniert und errechnet ganz genau, welche Tiere genetisch am besten zueinander passen. Entsprechend seiner Empfehlungen werden dann Giraffen zwischen den Zoos ausgetauscht, um die genetische Variation innerhalb der europäischen Giraffenpopulation groß zu halten. Der Osnabrücker Zoo beteiligt sich an vielen Zuchtbüchern des EEP. Im Folgenden finden Sie eine kleine Auswahl an Tierarten, die am Schölerberg gezüchtet werden.

Weißscheitelmangaben

Die Weißscheitelmangabe (Cercocebus lunulatus) ist eine Primatenart aus der Familie der Meerkatzenverwandten. Die in Ghana lebenden Affen gelten als vom Aussterben bedroht. Diese Art ist in nur zwei deutschen und insgesamt 13 europäischen Zoos vertreten – unter anderem in Osnabrück. Der Zoo Osnabrück betreibt eine erfolgreiche Zucht dieser seltenen Art.

Seltene Schönheiten: Bali-Stare

Der Zoo Osnabrück beteiligt sich an der Erhaltungszucht des Balistars (Leucopsar rothschildi). Der Sperlingsvogel wurde erst 1911 entdeckt und gilt als vom Aussterben bedroht. Im Jahr 2004 lebten nur noch 24 bekannte freilebende Exemplare (im Nationalpark Bali Barat). 2006 konnten im Rahmen der Erhaltungszucht 37 Bali-Stare auf einer Insel vor der Südostküste Balis ausgewildert werden, mittlerweile ist der Bestand auf rund 100 Exemplare gewachsen.

Mönchsgeier

Mönchsgeier (Aegypius monachus) sind nach Bartgeiern die größten Greifvögel Europas. In Europa ist der Mönchsgeier fast nur noch auf der Iberischen Halbinsel, auf Mallorca und auf der südlichen Balkanhalbinsel zu finden. Der Zoo Osnabrück beteiligt sich an der über das Europäische Erhaltungszuchtprogramm koordinierten Zucht. Ist Nachwuchs flügge, entscheidet der Zuchtbuchkoordinator, ob ein junger Geier in einem Zoo zur Nachzucht bleibt oder ausgewildert wird. Zuletzt schlüpfte 2012 Mönchsgeier-Nachwuchs am Schölerberg, der dann in eine Zuchtstation umzog. 2006 wurde ein Osnabrücker Mönchsgeier in Baronnies (Frankreich) ausgewildert.

Vom Aussterben bedroht: Moorenten

Die in Deutschland heimische Moorente (Aythya nyroca) ist laut der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands vom Aussterben bedroht. Nur noch am Bodensee und im Nordosten Deutschlands finden sich wenige Brutpaare. Der Osnabrücker Zoomöchte zukünftig mit Nachwuchs ein Wiederansiedlungsprojekt der Moorente des NABU unterstützen. Am Schölerberg werden die bedrohten Enten nach erfolgreicher Aufzucht entweder im Zoo für weitere Nachzucht verbleiben oder an das Steinhuder Meer umziehen, um dort in ihrem natürlichen Lebensraum eine Population aufzubauen. Zurzeit werden allerdings keine Tiere benötigt, da die bereits ausgewilderten Enten erst beobachtet werden sollen. Sobald aber weitere Tiere angesiedelt werden sollen, stellt der Zoo Osnabrück Nachwuchs zur Verfügung.

Hilfe für heimische Tierarten: Euronerz e.V.

Der Osnabrücker Zoo unterstützt den Euronerz e.V. Der Verein verpaart Weibchen (Fähen) des als „vom Aussterben bedroht“ geltenden Europäischen Nerzes (Mustela lutreola). Anschließend werden diese in Zoos, auch in den Zoo Osnabrück, gebracht. Dort bringen sie ihre Jungen zur Welt und ziehen sie auf. Die Jungtiere werden dann von Euronerz wieder ausgesiedelt oder verbleiben dort zur Weiterzucht. Dies geschieht unter anderem abhängig von Bestandsgröße und -zusammensetzung. Jedes Jahr ziehen ein oder mehrere tragende Weibchen in das Gehege der Waschbären, mit denen sie dann für einige Zeit zusammenleben. Außerdem unterstützt der Zoo den Verein mit Futterspenden.

Mehr Informationen unter www.euronerz.de

Finanzielle Unterstützung

Obwohl der Zoo Osnabrück sich so gut wie selbst finanzieren muss, werden Gelder für „in situ“- Projekte, also solche vor Ort, reserviert. Dies ist wichtig, denn nur wenn der Lebensraum erhalten wird, können Tiere wieder ausgewildert werden. Hier finden Sie die Projekte, die der Zoo unterstützt oder unterstützt hat:

Rettet den Drill e.V.

Der Drill (Mandrillus leucophaeus) ist eine Primatenart aus der Familie der Meerkatzenverwandten und ist in Nigeria, Kamerun und auf der Insel Bioko beheimatet. Er gilt als stark gefährdet. In Osnabrück lebt die größte Drill-Zuchtgruppe Europas. Der Zoo unterstützt ebenfalls den Verein „Rettet den Drill e.V.“ finanziell. Dieser wiederum fördert eine Auffangstation  in Afrika, in der ehemalige Jäger nun als Wildhüter arbeiten. Ihre Aufgabe ist, für die Stationen die sogenannte Aframomun Pflanze zu sammeln, die die Drills hauptsächlich fressen.

 

Mehr Informationen unter www.rettet-den-drill.de

Kleiner Panda

Der Zoo Osnabrück unterstützt das „Rote Panda Projekt“ des WWF in Indien finanziell. Im Rahmen dieses Projekts hat der WWF dank der finanziellen Unterstützung des Verband der Zoologischen Gärten e.V. und in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Forst-, Umwelt- und Wildtiermanagement (FEWMD) Studien zum Verbreitungsgebiet und zum Populationsstatus des Roten Pandas in Sikkim in Auftrag gegeben. In jahrelanger Arbeit konnte durch Feldstudien die Anzahl der in Sikkim lebenden Roten Pandas festgestellt werden: 225 bis 278 erwachsene Tiere. Um den Bestand und die Fortpflanzung der stark gefährdeten Tiere zu sichern, werden weitere Maßnahmen vor Ort durchgeführt. Unter anderem werden gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung alternative Einkommensquellen entwickelt. So müssen die Einwohner nicht die Wälder, in denen die Pandas leben, roden. Im Osnabrücker Zoo leben zwei Kleine Pandas.

Sumatra-Tiger

Der Sumatra-Tiger gilt als vom Aussterben bedroht. Um diese Tierart zu schützen, engagiert sich der WWF für die Sicherung der letzten Waldgebiete, in denen die Tiger leben. Außerdem errichten die Mitarbeiter des WWF „grüne Korridore“, mit denen die wichtigsten Schutzgebiete vernetzt werden. Durch die grünen Korridore wird die Isolation der Tiger voneinander aufgehoben und die Tiere treffen aufeinander. Zudem vergrößert sich der zuvor stark geschrumpfte Lebensraum. Der Zoo unterstützt sowohl das WWF Projekt als auch das FFI-Projekt (Fauna & Flora International). Beide stellen zusätzlich  stellen Anti-Wilderer-Patrouillen auf. 

 

Wolf

Mit der Rückkehr des Europäischen Wolfes rückt dieser in das Interesse der Öffentlichkeit. Um ein harmonisches Miteinander von Mensch und Tier zu ermöglichen, unterstützt der Osnabrücker Zoo Studenten bei ihren Abschlussarbeiten. In diesen Arbeiten entwickeln die Studenten beispielsweise Köder für Tollwut-Schluckimpfungen oder untersuchen das Miteinander von Hütehunden, Herdenschutzhunden, Schafen und Schäfern. Sowohl in der Forschung als auch in der Finanzierung unterstützt der Osnabrücker Zoo. Seit 2017 hält der Zoo Osnabrück keine Europäischen Wölfe mehr, sondern Hudson-Bay Wölfe. Trotzdem unterstützt der Zoo weiterhin Wolfs-Projekte zum Europäischen Wolf.

 

 

Warum ist Artenschutz wichtig?